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Feedback annehmen – die unterschätzte Kompetenz für echtes Wachstum

Aktualisiert: vor 6 Tagen


Spiegel auf einer Blumenwiese, der das Spiegelbild einer Frau zeigt
Andere Menschen sind wie ein Spiegel – sie zeigen dir Seiten an dir, die du alleine nie entdecken würdest.

Warum wir bei Feedback sofort in den Verteidigungsmodus schalten

Stell dir folgende Situation vor: Du hast gerade ein Meeting moderiert — aus deiner Sicht lief es gut. Danach sagt eine Kollegin beiläufig: „Ich fand, du hast ein paar wichtige Stimmen im Raum übergangen." Was passiert in dir?


Wenn du ehrlich bist: Wahrscheinlich spürst du einen kurzen Stich. Vielleicht kommt sofort ein „Aber ich habe doch alle einbezogen!" oder ein stilles „Was soll das jetzt?" Vielleicht lächelst du freundlich und denkst innerlich: „Stimmt doch gar nicht."


Diese Reaktion ist völlig normal. Unser Gehirn behandelt kritisches Feedback ähnlich wie eine Bedrohung. Es aktiviert den gleichen inneren Alarm, der uns vor Gefahren schützen soll. Das Problem: Was uns in Gefahrensituationen hilft — Verteidigung, Rückzug, Gegenangriff — hindert uns genau dort, wo wir wachsen könnten.


Was Feedback wirklich ist — und was nicht

Über das Feedback-Geben wird viel geschrieben: Es soll konkret sein, wertschätzend, zeitnah. Ganze Trainings drehen sich darum. Aber die andere Seite — das Feedback-Annehmen — wird erstaunlich selten beleuchtet. Dabei ist genau das die entscheidendere Kompetenz.

Denn du kannst die Qualität des Feedbacks, das du bekommst, nicht kontrollieren. Was du kontrollieren kannst, ist, wie du damit umgehst.


Feedback ist zunächst einmal nichts anderes als eine Information darüber, wie dein Verhalten auf andere wirkt. Es sagt etwas über die Wahrnehmung deines Gegenübers — nicht über deinen Wert als Mensch. Dieser Unterschied klingt einfach, ist aber in der Praxis alles andere als leicht umzusetzen. Denn die meisten von uns verwechseln die Rückmeldung zu einem konkreten Verhalten mit einer Bewertung unserer gesamten Person.


Wenn du lernst, zwischen diesen beiden Ebenen zu unterscheiden, verändert sich alles: Feedback wird vom gefühlten Angriff zum Geschenk. Es öffnet Türen zu blinden Flecken, die du alleine nie entdecken würdest.


Warum es so schwer fällt — die drei inneren Blockaden

Bevor wir zur Praxis kommen, lohnt sich ein ehrlicher Blick auf die Ursachen. Drei innere Muster machen das Annehmen von Feedback besonders schwer:

Infografik zu den drei inneren Triggern, warum wir Feedback abwehren



Der innere Feedback-Filter: In vier Schritten vom Reflex zur Reflexion

Wie kannst du lernen, Feedback bewusster anzunehmen? Ich arbeite in meinen Coachings mit einem einfachen Modell, das ich den inneren Feedback-Filter nenne. Er hilft dir, zwischen der ersten emotionalen Reaktion und deiner bewussten Antwort einen Moment der Klarheit zu schaffen.


Schritt 1: Pause — Atme, bevor du reagierst

Wenn Feedback kommt, das dich emotional trifft, mach innerlich eine Pause. Du musst nicht sofort antworten. Ein ruhiges „Danke, darüber denke ich nach" reicht. Diese wenigen Sekunden verhindern, dass dein Autopilot die Regie übernimmt.


Schritt 2: Sortieren — Was genau wurde gesagt?

Trenne den konkreten Inhalt von deiner emotionalen Reaktion. Frag dich: Was genau hat mein Gegenüber beobachtet? Welches Verhalten wurde angesprochen — und was alles nicht? Oft beziehen sich Rückmeldungen auf einen winzigen Ausschnitt deines Handelns. Alles andere, was nicht angesprochen wurde, ist offenbar in Ordnung.


Schritt 3: Prüfen — Welcher Anteil gehört mir?

Nicht jedes Feedback ist berechtigt. Aber fast jedes Feedback enthält einen Kern, der es wert ist, ehrlich geprüft zu werden. Frag dich: Habe ich das schon einmal gehört — vielleicht in anderen Worten? Gibt es ein Muster? Was würde mein bester Freund oder meine beste Freundin dazu sagen? Diese ehrliche Selbstprüfung ist der eigentliche Wachstumsmoment.

Schritt 4: Entscheiden — Was mache ich damit?

Feedback annehmen heißt nicht, alles zu übernehmen. Es heißt, bewusst zu entscheiden: Was nehme ich mit? Was lasse ich los? Und was möchte ich vielleicht noch mit einer weiteren Person besprechen, um ein vollständigeres Bild zu bekommen?


Die Fähigkeit, Feedback zu filtern statt reflexhaft abzuwehren, ist eine Kernkompetenz der Selbstführung. Sie unterscheidet Menschen, die an sich arbeiten, von Menschen, die sich nur bestätigen lassen.


Was du sofort ausprobieren kannst

Eine kleine Übung für die nächsten sieben Tage: Bitte eine Person, der du vertraust — im Job oder privat — um eine ehrliche Rückmeldung zu einer konkreten Sache.


Nicht „Wie findest du mich?", sondern zum Beispiel:

  • „Wie wirke ich in Meetings auf dich — eher einladend oder eher dominierend?"

  • „Gibt es etwas, das ich in unserer Zusammenarbeit anders machen könnte?"

  • „Was schätzt du an mir — und wo siehst du Potenzial?"


Hör einfach zu. Bedanke dich. Und schreib hinterher für dich auf, was dich überrascht hat — und warum.


Dieses aktive Einholen von Feedback ist übrigens das stärkste Signal, das du deinem Umfeld senden kannst: Ich bin bereit zu wachsen.


Feedback annehmen ist Selbstführung in Aktion

Der aktuelle Gallup Engagement Index 2025 zeigt, dass regelmäßiges, hilfreiches Feedback einer der wichtigsten Hebel für Motivation und Bindung am Arbeitsplatz ist. Aber Feedback kann nur wirken, wenn es nicht nur gegeben, sondern auch wirklich angenommen wird.


Feedback ist ein Geschenk — aber nur, wenn du es auch auspacken kannst.

Das klingt vielleicht wie eine nette Phrase. Aber denk mal darüber nach: Jemand nimmt sich die Zeit, dir eine ehrliche Rückmeldung zu geben. Das erfordert Mut und Vertrauen. Wenn du dieses Geschenk ablehnst — durch Verteidigung, Ablenkung oder Schweigen — sendest du eine klare Botschaft: „Sag mir lieber nichts mehr."


Wer hingegen lernt, Feedback offen und reflektiert anzunehmen, baut Vertrauen auf, stärkt Beziehungen und öffnet sich für die Art von Entwicklung, die wirklich nachhaltig ist.


Und das Beste daran: Du brauchst dafür kein Seminar, keinen Coach und keine besondere Situation. Du brauchst nur die Bereitschaft, den inneren Verteidigungsmodus für einen Moment auf Pause zu stellen — und hinzuhören.


Wenn du tiefer in das Thema einsteigen und deine Feedback-Kompetenz gezielt stärken möchtest, begleite ich dich gerne dabei — zum Beispiel in einem kostenfreien Orientierungsgespräch oder in meinem Selbstlernkurs „Feedback meistern".

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