Prioritäten richtig setzen: Wie du herausfindest, was wirklich zählt
- Claudia Stegemann, CIS Leadership Academy

- vor 3 Tagen
- 4 Min. Lesezeit

Viele Menschen tun sich schwer damit, Prioritäten zu setzen.
"Ich habe einfach zu viel auf dem Tisch." Diesen Satz höre ich in meinen Coachings so oft. Er kommt von erfahrenen Teamleiter:innen genauso wie von Berufseinsteiger:innen.
Und meistens folgt direkt danach: „Ich müsste einfach besser priorisieren."
Klingt logisch. Aber ich glaube, genau hier liegt das Problem.
Warum funktionieren Priorisierungs-Methoden oft nicht?
Es gibt keinen Mangel an Methoden: Eisenhower-Matrix, ABC-Analyse, Pareto-Prinzip, Getting Things Done. Alle haben ihre Berechtigung. Und trotzdem erzählen mir Menschen regelmäßig, dass sie am Ende des Tages das Gefühl haben, zwar viel geschafft, aber nichts Wesentliches bewegt zu haben.
Warum?
Prioritäten setzen bedeutet, bewusst zu entscheiden, was aktuell am wichtigsten ist – basierend auf deinen Zielen, Werten und verfügbaren Ressourcen. Die meisten Priorisierungs-Methoden starten aber bei den Aufgaben. Sie helfen dir, deine To-do-Liste zu sortieren – nach Dringlichkeit, nach Wichtigkeit, nach Aufwand. Das ist nützlich. Aber es beantwortet eine entscheidende Frage nicht:
Sind das überhaupt die richtigen Aufgaben?
Du kannst die perfekte Eisenhower-Matrix erstellen – wenn die Aufgaben darin nicht zu dem passen, was dir wirklich wichtig ist, optimierst du den falschen Weg.
Warum Werte die Grundlage für klare Prioritäten sind
In meiner Arbeit erlebe ich immer wieder einen Wendepunkt: den Moment, in dem jemand aufhört, über Aufgaben nachzudenken, und anfängt, über Werte nachzudenken.
Werte sind keine abstrakten Begriffe für Sonntagsreden. Sie sind dein innerer Kompass – wenn du Prioritäten auf Basis deiner Werte setzt, fühlen sich Entscheidungen klarer und stimmiger an.
Wenn du sagst „Ich habe zu viel auf dem Tisch", frage ich: „Und was davon gibt dir Energie?" Die Antwort darauf verändert alles. Denn plötzlich geht es nicht mehr darum, welche Aufgabe dringender ist – sondern welche bedeutsamer ist.
Prioritäten, die auf Werten basieren, fühlen sich nicht wie Pflicht an. Sie fühlen sich wie eine bewusste Entscheidung an.
Die 3-Zonen-Methode: Prioritäten setzen in 3 Schritten
Die 3-Zonen-Methode ist eine Selbstreflexions-Übung, bei der du deine Aktivitäten, Gewohnheiten und Verpflichtungen in drei Bereiche einteilst: was dir Energie gibt (grün), was du überprüfen solltest (gelb) und was du loslassen darfst (rot). Sie hilft dir, in etwa 20 Minuten Klarheit über deine wahren Prioritäten zu gewinnen — nicht auf Basis von Dringlichkeit, sondern auf Basis deiner persönlichen Werte.
Ich setze diese Methode regelmäßig in meinen Coachings ein. Sie braucht nur ein Blatt Papier und bringt oft überraschend viel Klarheit.
Teile dein Blatt in drei Bereiche:
🟢 Zone 1: „Das nährt mich"
Schreibe hier alles auf, was dir Energie gibt: Aufgaben, Beziehungen, Gewohnheiten, Rituale. Alles, wobei du merkst: „Ja, das tut mir gut. Davon will ich mehr."
Das können große Dinge sein (ein Projekt, das dich begeistert) oder kleine (der Morgenspaziergang, das ehrliche Gespräch mit einer Kollegin). Sei dabei ehrlich – es zählt nicht, was „man" wichtig finden sollte, sondern was du wichtig findest.
🟡 Zone 2: „Das überprüfe ich"
Hier landen die Dinge, bei denen du unsicher bist. Die du aus Gewohnheit tust, aus Pflichtgefühl oder weil sie „schon immer so waren". Vielleicht das wöchentliche Meeting, das eigentlich niemand braucht. Die Aufgabe, die du seit Wochen vor dir herschiebst. Die Verantwortung, die du übernommen hast, ohne gefragt worden zu sein.
Der Trick bei Zone 2 ist: Du musst hier noch nichts entscheiden. Es reicht, die Dinge bewusst zu benennen und dir eine Frage zu stellen: Dient mir das noch – oder kostet es mich mehr, als es mir gibt?
🔴 Zone 3: „Das darf gehen"
Und hier wird es mutig. Was belastet dich aktiv? Ein Anspruch an dich selbst, der unrealistisch ist? Eine Gewohnheit, die dir schadet? Eine Rolle, in die du hineingerutscht bist und die nicht mehr zu dir passt?
Loslassen fühlt sich oft wie Versagen an. Aber das Gegenteil ist wahr: Loslassen ist ein Akt der Selbstführung. Du entscheidest bewusst, wofür du deine begrenzte Energie einsetzen willst. Das ist keine Schwäche – das ist Klarheit.
Wie leite ich aus den drei Zonen eine klare Priorität ab?
Wenn du die drei Zonen ausgefüllt hast, passiert meistens etwas Interessantes: Aus Zone 1 kristallisiert sich ein Muster heraus. Ein roter Faden, der sich durch die Dinge zieht, die dich nähren.
Vielleicht merkst du: „Mir sind tiefe Gespräche wichtiger als breites Netzwerken." Oder: „Ich brauche kreative Freiräume mehr als Struktur." Oder: „Meine Gesundheit ist gerade das Fundament, auf dem alles andere steht."
Aus diesem Muster lässt sich eine einzige Priorität ableiten. Nicht fünf Ziele, nicht eine endlose Liste – sondern ein Fokus für die nächsten vier Wochen, der sich aus deinen Werten ergibt.
Das klingt radikal einfach. Und es ist es auch. Aber genau darin liegt die Kraft: Eine Priorität, die auf einem echten Wert basiert, brauchst du dir nicht vornehmen. Du willst sie leben.
Was haben Werte mit Selbstführung zu tun?
In meiner Arbeit als Coach und Trainerin begegne ich dem Thema Werte auf einer tieferen Ebene: als Teil der Selbstführung. Wer sich selbst gut führt, kennt nicht nur seine Stärken und Schwächen, sondern auch seine Werte – und richtet sein Handeln danach aus.
Das ist leichter gesagt als getan, denn unsere Werte werden im Alltag ständig überlagert: von Erwartungen anderer, von gesellschaftlichen Normen, von alten Glaubenssätzen. Wer unter Druck steht, greift oft auf automatische Muster zurück — umso wichtiger ist eine gute Basis an innerer Stärke und Resilienz.
Die 3-Zonen-Methode ist ein Werkzeug, das dir hilft, diese Überlagerungen sichtbar zu machen – und Schicht für Schicht freizulegen, was darunter liegt.
Denn erst wenn du weißt, was dir wirklich wichtig ist, kannst du Prioritäten setzen, die sich nicht wie Zwang anfühlen, sondern wie Freiheit.
Dein nächster Schritt
Nimm dir diese Woche 20 Minuten – ohne Handy, ohne Ablenkung. Fülle die drei Zonen aus. Und dann formuliere einen einzigen Satz:
„In den nächsten vier Wochen ist meine Priorität: _______________."
Schreib ihn auf und lege ihn dorthin, wo du ihn jeden Tag siehst.
Und dann beobachte, was passiert, wenn du deine Entscheidungen an diesem einen Satz ausrichtest.
Du merkst, dass dir die Selbstreflexion allein nicht reicht und du dir Begleitung wünschst? In meinen Coachings schauen wir gemeinsam auf deine Werte, Stärken und Muster – und entwickeln daraus einen Weg, der zu dir passt. Hier kannst du ein kostenfreies Kennenlerngespräch vereinbaren.
Claudia Stegemann ist systemische Coach, Trainerin und Lernarchitektin. Sie begleitet Führungskräfte, Talente und Menschen in Verantwortung dabei, innere Klarheit zu entwickeln und ihr Potenzial auszuschöpfen. Mehr unter cis-leadership.academy.


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