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Resilienz – die 7 Säulen innerer Stärke


Du hast Verantwortung übernommen – vielleicht zum ersten Mal für ein Team, für Ergebnisse, für Menschen. Und plötzlich ist da kein Lehrbuch mehr, das dir sagt, wie du reagieren sollst, wenn Konflikte aufbrechen, Pläne scheitern oder Erwartungen auf dich einstürmen.


Kurzfristige Planänderungen, Personalengpässe, hoher Erwartungsdruck – in der heutigen, schnelllebigen Welt ist das Alltag. Viele Führungskräfte erleben ein Spannungsfeld zwischen Gestaltungswillen und Überforderung. Oft kippt die Energie, die anfangs antreibt, in Erschöpfung oder Selbstzweifel.


Genau hier kommt Resilienz ins Spiel. Und die gute Nachricht: Resilienz ist keine angeborene Eigenschaft, sondern ein Muskel, den du trainieren kannst.


Was ist Resilienz – und was nicht?

Stell dir einen Baum vor. Wenn ein Sturm tobt, knickt er nicht sofort. Er beugt sich, vielleicht verliert er Blätter, doch seine Wurzeln halten ihn. Nach dem Sturm richtet er sich wieder auf. So verhält es sich auch mit resilienten Menschen: Sie sind nicht unerschütterlich, aber flexibel. Sie wissen, wo ihre Wurzeln liegen – und können sich wieder aufrichten, auch wenn der Wind stark weht.

Resilienz IST:

  • Die psychische Widerstandskraft

  • Die Fähigkeit, sich von Rückschlägen zu erholen

  • Flexibilität und Anpassungsfähigkeit

  • Nicht angeboren, sondern entwickelbar

  • Kein Dauerzustand, sondern ein Prozess


Resilienz ist NICHT:

  • Alles aushalten und durchhalten

  • Nie Schwäche zeigen

  • Probleme ignorieren

  • Unverwundbarkeit


Reflexionsfrage: Wenn du an deine „Wurzeln“ denkst – was gibt dir im Alltag Halt, selbst wenn es turbulent wird?


Warum Resilienz gerade für Führungskräfte so wichtig ist

Studien zeigen, dass resiliente Führungskräfte:

  • seltener Burnout erleben

  • höhere Teamzufriedenheit erzeugen

  • kreativer mit Problemen umgehen


Besonders wichtig: Resilienz entsteht nicht durch Vermeidung von Stress, sondern durch den aktiven Umgang damit. Wer kleine Belastungen meistert, baut „psychische Muskeln“ auf – ähnlich wie beim Fitnesstraining.


Als Führungskraft trägst du eine doppelte Verantwortung: deine eigene Resilienz sichern – und ein Umfeld schaffen, in dem auch andere resilient handeln können. Wenn du offen mit Fehlern umgehst, Pausen vorlebst und Unterstützung anbietest, stärkst du automatisch die Resilienz deines gesamten Teams.


Wichtig dabei: Resilienz ist keine Einzelleistung, sondern entsteht im Zusammenspiel von Person, Beziehungen und Rahmenbedingungen.


Die 7 Säulen der Resilienz

Die Resilienzforscherin Ursula Nuber beschreibt sieben Faktoren, die unsere innere Widerstandskraft tragen. Kein Mensch ist in allen Säulen gleich stark – doch schon kleine Schritte in einer einzigen Dimension können die Gesamtstabilität erhöhen.


Hier sind die sieben Säulen – übersetzt in deinen Führungsalltag:

🌞 1. Optimismus – Schwierigkeiten als Herausforderung sehen

Optimismus bedeutet nicht, Probleme schönzureden. Es bedeutet, daran zu glauben, dass du Einfluss auf die Zukunft nehmen kannst. Resiliente Führungskräfte sehen in schwierigen Situationen nicht nur Hindernisse, sondern auch Chancen.


Der Psychologe Richard Lazarus stellte fest: Nicht die Situation selbst ist entscheidend, sondern unsere Bewertung. Zwei Führungskräfte erhalten denselben engen Abgabetermin. Die eine denkt: "Das schaffe ich nie!" – und fühlt sich blockiert. Die andere denkt: "Das wird hart, aber spannend" – und startet motiviert.


Reflexionsfrage: Erinnere dich an eine stressige Situation der letzten Woche. Welche Gedanken hattest du? Wie hat deine Bewertung dein Handeln beeinflusst?


🤲 2. Akzeptanz – Realität annehmen, statt zu hadern

Manche Ziele sind durch veränderte Umstände nicht mehr erreichbar. Akzeptanz öffnet den Blick für neue Möglichkeiten. Das bedeutet nicht, aufzugeben – sondern die Energie dort einzusetzen, wo du wirklich etwas bewirken kannst.


Wer hadert, verliert Zeit und Energie. Wer akzeptiert, kann schneller umschalten und Lösungen finden.


🎯 3. Lösungsorientierung – Nach vorne schauen und handeln

Handle in schwierigen Situationen, so gut du kannst, statt dich zurückzuziehen und zu hoffen, dass Probleme von selbst verschwinden. Resiliente Führungskräfte treffen Entscheidungen – auch unter Unsicherheit – und stehen dazu.


Praxis-Impuls: Wenn du das nächste Mal vor einem Problem stehst, frage dich: "Was kann ich in den nächsten 24 Stunden konkret tun?" Oft reicht ein einziger kleiner Schritt, um den Lösungsmodus zu aktivieren.


🧘 4. Selbstregulation – Gefühle wahrnehmen und steuern

Emotionsregulation ist eine Kernkompetenz für Führungskräfte. Es geht nicht darum, Gefühle zu unterdrücken, sondern sie bewusst wahrzunehmen, einzuordnen und angemessen zu reagieren.

„Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Reaktion. In unserer Reaktion liegen unsere Entwicklung und unsere Freiheit.“Viktor Frankl

Dieser „Raum“ ist trainierbar. Durch regelmäßige Mikro-Reflexionen, Achtsamkeitsübungen und das Führen eines Gefühlstagebuchs wird er mit der Zeit immer größer.


Konkrete Strategien:

  • Körperlich: Stopp & Atmen – Einatmen auf 4, halten auf 4, ausatmen auf 6

  • Mental: Faktencheck – "Was weiß ich sicher? Was interpretiere ich?"

  • Sozial: Gefühl benennen – "Ich merke, das macht mich gerade betroffen." Allein das Aussprechen schwächt das belastende Gefühl oft ab.


💪 5. Selbstwirksamkeit – Vertrauen in die eigene Fähigkeit

Albert Bandura beschreibt Selbstwirksamkeit als die Überzeugung, durch eigenes Handeln Herausforderungen bewältigen zu können. Ein positives Selbstbild bedeutet nicht Überheblichkeit – sondern das Vertrauen, dass du Lösungen finden kannst.


Selbstwirksamkeit wächst, wenn du Verantwortung übernimmst, aus Fehlern lernst und dich als gestaltende Person begreifst – nicht als Getriebene.


Praxis-Impuls: Formuliere ein Mikro-Ziel für diese Woche – etwas Kleines, das du sicher erreichen kannst. Feiere den Fortschritt bewusst. So baust du Schritt für Schritt Selbstwirksamkeit auf.


🤝 6. Netzwerkorientierung – Soziale Beziehungen pflegen

Resilienz entsteht nicht im Rückzug, sondern in Resonanz. Soziale Unterstützung – Austausch mit Kolleginnen und Kollegen, Mentoring, private Beziehungen – ist ein zentraler Schutzfaktor. Menschen, die eingebunden sind, bewältigen Krisen leichter.


Pflege Beziehungen, in denen du dich zeigen darfst – auch mit Unsicherheit. Such den Austausch mit Menschen, die dich ehrlich spiegeln. Ein resilientes Team entsteht dort, wo Vertrauen, Empathie und psychologische Sicherheit gelebt werden. Diese Kultur beginnt bei dir.


Praxis-Impuls: Wer sind deine drei wichtigsten „Resilienz-Partner“ im Job? Notiere ihre Namen – und plane in den nächsten 7 Tagen einen bewussten Austausch mit einer dieser Personen.


🔭 7. Zukunftsplanung – Klare Ziele entwickeln

Resilienz lebt von Sinn. Wenn du weißt, warum du tust, was du tust, bekommt Belastung Richtung. Entwickle realistische Ziele und gehe regelmäßig kleine Schritte darauf zu – auch wenn der Fortschritt langsam ist.


Wer Sinn und Selbstwirksamkeit erlebt, kann auch in komplexen Situationen handlungsfähig bleiben. Teams orientieren sich weniger an dem, was du sagst – sondern an dem, wie du mit Unsicherheit umgehst.


⚠️Die größten Resilienz-Fallen für Führungskräfte:

  • "Ich muss alles alleine schaffen" → Führung ist Teamarbeit – um Hilfe bitten ist Stärke

  • "Ich darf keine Schwäche zeigen" → Verletzlichkeit ist menschlich – Authentizität schafft Vertrauen

  • "Wenn ich nur härter arbeite..." → Mehr vom Falschen hilft nicht – innehalten und reflektieren

  • "Die Bedürfnisse anderer sind wichtiger" → Selbstfürsorge ist Führungsverantwortung

  • "Ich habe keine Zeit für Pausen" → Ohne Regeneration keine Leistung


Selbsttest: Wie resilient bin ich gerade?

Mach eine kurze Standortbestimmung. Beantworte die folgenden Aussagen spontan mit "trifft zu" oder "trifft nicht zu":

  • [ ] Ich habe Menschen, auf die ich mich verlassen kann.

  • [ ] In Krisen erinnere ich mich daran, was ich schon geschafft habe.

  • [ ] Auch wenn es schwer ist, finde ich meist eine Lösung.

  • [ ] Rückschläge werte ich als Chance zu lernen.

  • [ ] Ich kenne kleine Routinen, die mir Energie geben.


🎯Auswertung:

  • 4–5 × "trifft zu": Du verfügst bereits über starke Resilienz-Ressourcen. Nutze sie bewusst!

  • 2–3 × "trifft zu": Du hast gute Ansätze, kannst sie aber noch gezielter ausbauen.

  • 0–1 × "trifft zu": Du stehst aktuell eher auf unsicheren Beinen – ein Grund mehr, aktiv an deiner Resilienz zu arbeiten.


Praxis-Tool: Das 3-Tage-Stressprotokoll

Um deine persönlichen Stressmuster zu erkennen, führe über drei Arbeitstage ein einfaches Protokoll. Notiere für jede belastende Situation:

Auslöser

Meine Gedanken

Meine Reaktion

Alternative Bewertung

Was ist passiert?

Was habe ich gedacht?

Wie habe ich reagiert?

Was könnte ich auch denken?

Kurzfristige Programmänderung

"Immer muss alles auf den letzten Drücker passieren!"

Gereizter Tonfall im Meeting

"Das Team zeigt Flexibilität – wir schaffen das gemeinsam."

Leite nach drei Tagen eine konkrete neue Strategie ab, die du im Alltag ausprobieren möchtest.


Deine persönliche Resilienz-Routine

Resilienz entsteht nicht durch eine einmalige Übung, sondern durch Regelmäßigkeit – wie beim Sport.


Hier ist ein Vorschlag für deine eigene Routine:

  • Täglich – 1 Mikro-Übung: z. B. eine Dankbarkeitsnotiz, 3 Minuten bewusstes Atmen oder ein kurzer Abend-Check-in ("Was hat mir heute Energie gegeben?")

  • Wöchentlich – 1 Energiequelle: z. B. Sport, Natur, ein gutes Gespräch mit einer Vertrauensperson

  • Monatlich – 1 Reflexion: z. B. Journaling, das 3-Tage-Stressprotokoll oder ein Resilienz-Check-in mit Kolleginnen und Kollegen


📌Probiere diese Routine 4 Wochen aus und notiere Veränderungen. Studien zeigen: Regelmäßige Achtsamkeit reduziert Stress um bis zu 30 % und erhöht die Konzentrationsfähigkeit.


Fazit: Resilienz beginnt bei dir

Resilienz lässt sich nicht verordnen. Sie wächst aus Erfahrung, Austausch und Reflexion. Als (Nachwuchs-)Führungskraft hast du die besondere Chance, nicht nur deine eigene Widerstandskraft zu stärken, sondern eine Kultur zu schaffen, in der auch dein Team resilient handeln kann.

Denn: Du kannst andere nur so gut führen, wie du für dich selbst sorgst.


Wenn du deine Resilienz und Selbstführung vertiefen möchtest, findest du in meinen Lernformaten strukturierte Wege, das Gelernte nachhaltig zu integrieren – vom Selbstlernformat bis zur begleiteten Entwicklungsreise.




 
 
 

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