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Warum wir Konflikte vermeiden – und wie du sie ansprichst, bevor es zu spät ist


zwei Papageien in einer Volliere die sich voneinander abwenden

Kennst du das? Du sitzt in einem Meeting, jemand sagt etwas, das dich ärgert – und du schluckst es runter. Du merkst seit Wochen, dass die Zusammenarbeit mit einer Kollegin nicht rund läuft, aber du sagst nichts. Du hast ein ungutes Gefühl, dass etwas zwischen dir und deinem Gegenüber steht, aber du hoffst, dass es sich von allein löst.


Spoiler: Tut es meistens nicht.


Konflikte gehören zum Leben. Im Beruf, im Team, in der Familie. Das Problem sind nicht die Konflikte selbst, sondern dass wir sie zu lange vermeiden. Denn was unausgesprochen bleibt, verschwindet nicht. Es wächst. Leise. Bis es irgendwann laut wird.


In diesem Artikel erfährst du, warum wir Konflikte so gerne umgehen, woran du erkennst, wann ein Konflikt zu kippen droht – und was du konkret tun kannst, um schwierige Gespräche ruhig und klar zu führen.


Warum vermeiden wir Konflikte?

Wenn du ehrlich bist: Wie oft hast du schon etwas nicht gesagt, obwohl du es hättest sagen sollen?


Damit bist du nicht allein. Studien zeigen, dass ein Großteil der Konflikte am Arbeitsplatz nicht an der Sache scheitert, sondern daran, dass niemand den Mut hat, das Problem rechtzeitig anzusprechen. Die KPMG-Konfliktkostenstudie beziffert den Anteil der Arbeitszeit, der in Unternehmen für Konflikte und deren Folgen draufgeht, auf 10 bis 15 Prozent. Bei Führungskräften sind es sogar 30 bis 50 Prozent der wöchentlichen Arbeitszeit.


Aber warum fällt es uns so schwer, Dinge anzusprechen?


Die Gründe liegen oft tiefer, als wir denken. Es geht selten um mangelnden Willen, sondern um innere Muster, die in Stresssituationen automatisch übernehmen:


  • Harmoniebedürfnis: Du willst die Beziehung nicht gefährden und gehst Spannungen instinktiv aus dem Weg.

  • Angst vor Ablehnung: Du befürchtest, als schwierig wahrgenommen zu werden oder dass dein Gegenüber emotional reagiert.

  • Alte Muster: In der Transaktionsanalyse spricht man vom sogenannten angepassten Kind-Ich, einem inneren Anteil, der gelernt hat, sich zurückzunehmen und es allen recht zu machen. In angespannten Situationen übernimmt dieser Anteil oft die Regie, noch bevor du bewusst entscheiden kannst.


Wenn du mehr über diese inneren Anteile erfahren möchtest und wie sie deine Kommunikation beeinflussen, empfehle ich dir meinen Blogartikel „Die Kraft der Ich-Zustände".


Das Ergebnis der Vermeidung? Du gewinnst kurzfristig Ruhe – und verlierst langfristig Vertrauen, Klarheit und oft auch die Beziehung selbst.


Woran erkennst du, dass ein Konflikt eskaliert?

Der österreichische Konfliktforscher Friedrich Glasl hat ein Modell entwickelt, das beschreibt, wie Konflikte sich stufenweise verschärfen – von ersten Spannungen bis zur völligen Verhärtung.

Konfliktstufen nach Glasl als Treppe dargestellt

Sein Modell umfasst neun Stufen, aber für den Alltag reicht es, drei Phasen zu kennen:


Phase 1: Noch ist alles lösbar (Win-Win)

Unterschiedliche Meinungen prallen aufeinander, aber beide Seiten sind noch gesprächsbereit. Die Positionen verhärten sich allmählich, die Kommunikation wird etwas angespannter — doch ein offenes Gespräch kann den Knoten lösen. In dieser Phase kannst du den Konflikt selbst klären. Genau hier liegt dein Handlungsfenster.



Phase 2: Einer verliert (Win-Lose)

Es geht nicht mehr um die Sache, sondern ums Rechthaben. Beide Seiten suchen Verbündete, es wird übereinander statt miteinander geredet. Die Fronten sind verhärtet. Ab hier braucht es oft Unterstützung von außen – eine moderierende dritte Person, ein Coaching oder eine Mediation.


Phase 3: Alle verlieren (Lose-Lose)

Der Konflikt ist außer Kontrolle. Es geht nur noch darum, dem anderen zu schaden – auch auf eigene Kosten. Die Beziehung ist schwer beschädigt. Diese Phase kommt im Berufsalltag zum Glück selten vor, aber sie zeigt, wohin es führen kann, wenn zu lange nichts passiert.


Dein Selbst-Check: Denk an einen aktuellen Konflikt oder eine Spannung in deinem Umfeld. In welcher Phase bist du gerade? Wenn du noch in Phase 1 bist, hast du alle Möglichkeiten. Nutze sie.


Was du konkret tun kannst: Das STOP-Prinzip

Stell dir vor, du sitzt in einem Gespräch und merkst: Gleich sage ich etwas, das ich bereue. Oder: Ich werde gerade emotional und kann nicht mehr klar denken. Genau in diesem Moment hilft dir das STOP-Prinzip — eine einfache Methode, um aus der automatischen Reaktion auszusteigen und bewusst zu handeln.



S — Stopp

Halte inne. Buchstäblich. Bevor du antwortest, atme einmal tief durch. Es reichen drei Sekunden. Diese kurze Pause unterbricht den Autopiloten und gibt deinem Erwachsenen-Ich die Chance, die Regie zu übernehmen.


T — Take a step back (Tritt einen Schritt zurück)

Beobachte, was gerade in dir passiert. Welches Gefühl ist da? Ärger? Verletzung? Hilflosigkeit? Du musst das Gefühl nicht bewerten – nur wahrnehmen. Allein das Benennen dessen, was du fühlst, senkt nachweislich die emotionale Intensität.


O — Observe (Beobachte die Situation)

Schau aus der Vogelperspektive auf die Situation. Was genau hat dein Gegenüber gesagt? Was davon ist Fakt, was ist deine Interpretation? Oft reagieren wir nicht auf das, was jemand wirklich gesagt hat, sondern auf das, was wir hineininterpretieren.


P — Proceed mindfully (Handle bewusst)

Jetzt erst sprichst du und nutze dabei Ich-Botschaften: „Ich merke, dass mich das gerade beschäftigt" statt „Du greifst mich immer an!". Spiegle das Gefühl deines Gegenübers: „Ich habe den Eindruck, dass dich das frustriert. Stimmt das?". Und formuliere klar, was du brauchst oder dir wünschst.


Holzschild in der Natur mit dem Schriftzug STOP

Zur Übung: Probiere STOP diese Woche einmal ganz bewusst aus. Nicht erst im hitzigen Konflikt, sondern in einer Alltagssituation, die dich leicht reizt. Je öfter du den Ablauf in kleinen Momenten übst, desto verlässlicher steht er dir zur Verfügung, wenn es wirklich darauf ankommt.


Konflikte ansprechen ist eine Kompetenz — keine Charaktereigenschaft

Manche Menschen wirken in Konflikten mühelos souverän und wir glauben oft, dass das an ihrer Persönlichkeit liegt. Der Eindruck täuscht. Konfliktkompetenz ist keine Frage des Temperaments – sie ist erlernbar. Wie jede andere Fähigkeit wird sie besser, je bewusster du sie trainierst.


Der erste Schritt ist nicht die perfekte Formulierung. Der erste Schritt ist die Entscheidung, hinzuschauen statt wegzuschauen. Dich zu fragen: Was brauche ich gerade wirklich? Und was braucht mein Gegenüber?


Denn das Gegenteil von Konfliktvermeidung ist nicht Streit. Es ist Klarheit.


Wenn du merkst, dass du tiefer einsteigen möchtest – sei es in die Ich-Zustände, das STOP-Prinzip oder die Frage, wie du dich in schwierigen Gesprächen innerlich aufstellst – dann begleite ich dich gerne auf diesem Weg. In meinen Coachings und Seminaren arbeiten wir genau an dieser Schnittstelle zwischen Selbstführung und Kommunikation.


Du willst schwierige Gespräche üben, nicht nur lesen? In meinem kostenfreien Webinar am 17. Juni 2026 zeige ich dir unter anderem, wie du mit einem KI-gestützten Prompt dein nächstes schwieriges Gespräch realistisch trainieren kannst. Inklusive Echtzeit-Feedback.

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